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Mrz 01

Bereichsgruppe Wiener Neustadt veranstaltete Vortrag über den Tschad-Einsatz des Jagdkommandos

Wiener Neustadt, 24. Februar 2020: Heute war wieder einmal volles Haus im Cafe Nuovo in der Neustädter Fußgängerzone beim Jour Fixe der Österreichischen Peacekeeper. Zum Vortrag über den Einsatz im Tschad von Oberst Rudolf Weissenbacher, dem stellvertretenden Leiter des Jagdkommandos, durfte Bereichsleiterin Irene Valina den Niederösterreichischen Landesleiter Oberstleutnant Manfred Sommer, Vorstandsmitglied Richard Roblicka, die Neustädter Gemeinderäte Ing. Robert Pfisterer und Johann Machowetz sowie den Bürgermeister von Piesting, Roland Braimeier, die Obersten Günter Batunek und Siegfried Albel sowie eine breite Delegation aus der BHAK für Führung und Sicherheit und zahlreiche Interessierte begrüßen. Das Jagdkommando beteiligte sich bis Ende 2009 an der humanitären Mission der Vereinten Nationen im Tschad, um den hunderttausenden Flüchtlingen zu helfen, die aus der westsudanesischen Krisenregion Darfur vertrieben wurden.

Der Einsatz des Österreichischen Bundesheeres in der Republik Tschad war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Der Einsatz, der als EU-geführte EUFOR (European Union Force)-Mission begann, hatte das Ziel, hunderttausende Flüchtlinge vor Rebellen und marodierenden Banden zu schützen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen forderte der Darfur-Konflikt im Sudan über 300.000 Menschenleben und führte zu mehr als 2,7 Mio. Flüchtlingen. Insbesondere die in schnell wachsenden Zeltstädten untergebrachten Flüchtlinge benötigten dringend humanitäre Hilfe und Schutz vor Übergriffen durch Rebellen und umherstreifenden Räuberbanden. Kernstück der rot-weiß-roten Truppe waren 40 Soldaten des Jagdkommandos. Sie sorgten in Abeché, weit im Osten des Tschad, für die Sicherheit von Flüchtlingslagern. Nach der Rückverlegung war Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) bei einer Visite im Stützpunkt der Elite-Einheit im August 2009 voll des Lobes: Der Einsatz im Tschad sei ein Erfolg gewesen. Es war von 2007 bis 2009 einer der gefährlicheren Auslandseinsätze in der Geschichte des Österreichischen Bundesheeres. Früh war klar, dass hoch bewegliche Spezialeinsatzkräfte des Jagdkommandos eingesetzt werden müssten, um mit möglichst wenig Personal ein riesiges Areal zu überwachen „und die Soldaten sind physisch und psychisch ausgebildet mit einem Durchhaltevermögen von über ein Jahr!“ ergänzte der Jagdkommando-Oberst. „Man musste zuerst die Situation verstehen“, fuhr er fort, „Wer ist gegen wen? Wussten wir am Anfang nicht, es gibt interne ethnische Konflikte und Kriminalität zusätzlich zu den Angriffen der Rebellen“

Rudi Weissenbacher erklärte die schwierige Geographie des Riesenlandes, ein Binnenstaat im nördlichen Zentralafrika. Hauptstadt und zugleich größte Stadt ist N’Djamena (ca. 1,4 Mio. Einwohner) im Südwesten des Landes. Als Grafik brachte er den Vergleich mit der Fläche des Tschad im Verhältnis zu Europa. Die Landesfläche des Tschad beträgt 1.284.000 Quadratkilometer und erstreckt sich dabei über verschiedenste Klima- und Vegetationszonen – von der Sahara im Norden bis zu den Trockenwäldern im Süden. Die Republik Tschad grenzt an Libyen im Norden (1.055 km), an Sudan im Osten (1.360 km), an die Zentralafrikanische Republik im Süden (1.197 km) und an Kamerun (1.094 km), Niger (1.175 km) und Nigeria (87 km) im Westen. Das Gelände besteht aus Wüste, Steppen, Büschen und Steinplateaus. „Wir hatten hier in Sandgruben geübt und vor Ort auch“, die Temperatur ist im Norden von -3° bis +40° und im Süden sind ständig 25°, es gibt nur zwei Jahreszeiten die Regen- und die Trockenzeit.

Zunächst sammelten sich die Soldaten im Camp „Europe“ in N’Djamena, bis sie Anfang März dann mit ihren Fahrzeugen in einem dreitägigen Landmarsch ins fast 1000 Kilometer entfernte Abeché aufbrachen. „Man muss sich vorstellen, die hatten dort bis 2000 Strom aus Aggregaten, danach war‘s finster!!“ erzählte der Vortragende. „Es waren auch keine Autobahnen zum Fahren, sondern Pisten und Pfade, also statt einer 10-Stunden-Fahrt dauerte es eine Woche“. Zu den Fahrzeugen erwähnte der Redner „Die wüstentauglichen Puch G waren super mit beschusssicheren Reifen usw., es war aber wichtig, einen Mechaniker mitzuhaben, der ohne Computer aber mit Ersatzteilen reparieren konnte. Die einfachsten Autos sind dort das Beste!“ Ein Rätsel bleibt noch immer für den Oberst „egal, wo wir waren, sobald wir stehen geblieben sind, waren Leute da“, der Vortrag ging weiter mit Foto-Impressionen aus dem Einsatzgebiet. „Die direkte Kommandostruktur wurde als sehr hilfreich eingestuft, eine face-to-face mit dem dortigen General. In schwierigen Situationen durfte man Luftunterstützung mit französischen Mirage 2000 anfordern, sie kamen eine halbe Stunde zeitversetzt, ein Gazelle-Hubschrauber ist auch mitgeflogen, wir hatten den Treibstoff mit und die konnte bei Bedarf Verletzte mitnehmen.“ Als Fazit zum Einsatz meinte der Offizier: „Man konnte die humanitäre Lage und die Sicherheitslage in der Grenzregion zwischen dem Tschad und dem Sudan zwar verbessern, den Konflikt jedoch nicht dauerhaft lösen. Dafür sind in erster Linie die beteiligten Staaten selbst verantwortlich“. Als Beispiel brachte er das Wasser, beim wilden Brunnenbau können manche Dörfer einem anderen Dorf das Wasser wegnehmen und so seien Kämpfe vorprogrammiert, das Land müsse es endlich schaffen, dass alle Wasser haben! Die Frage, ob die Soldaten kulturell vorbereitet waren, beantwortete der stellvertretende Kommandant eindeutig mit Ja: „Afrika-Experten bildeten sie aus, z. B. wie reagiere ich gegenüber Kindersoldaten, der Bevölkerung gegenüber? Wir waren Gäste und haben Hilfe angeboten“. Im Anschluss war noch Zeit für einen Gedankenaustausch und Kameradschaftspflege.

Bericht & Fotos: Mag. Serge Claus
Titelfoto: Bundesheer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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