«

»

Dez 14

Zum 14. Dezember

Zum 14. Dezember

Der 14. Dezember 1955 war für Österreich ein besonderer Tag: Die Alpenrepublik wurde Mitglied der Organisation der Vereinten Nationen. Österreich hatte dies schon 1947 beantragt, musste sich dann aber gedulden: Im Zeichen des „Kalten Krieges“ blockierte die Sowjetunion jahrelang die Aufnahme neuer Mitglieder. Am 14. Dezember 1955 schließlich traten 16 Staaten der Weltorganisation bei, darunter eben auch Österreich. Einige dieser Staaten waren, als ehemalige Verbündete des Dritten Reiches, 1945 bei der Gründungskonferenz der UNO in San Francisco nicht vertreten gewesen. Wer dieser Tage durch die Wiener Innenstadt spaziert, sieht die Fassade des Außenministeriums am Minoritenplatz mit den Flaggen dieser Staaten nebst jener der UNO geschmückt.

Mit der Aufnahme in die Vereinten Nationen entfernte sich Österreich schon Ende 1955, etwas über ein halbes Jahr nach dem Staatsvertrag, von dem Vorbild der Schweizer Neutralität: Die Schweiz trat der UNO erst 2002 bei. Diese rot-weiß-rote „aktive Neutralitätspolitik“ war eng mit dem langjährigen Staatssekretär, Außenminister und schließlich Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky verbunden. Dazu gehörte es, Wien zum Amtssitz internationaler Organisationen zu machen. Und Ende 1960 beteiligte sich Österreich erstmals an einer UN-Friedensoperation – im ehemals belgischen Kongo.

Das österreichische Sanitätskontingent kam – ohne dass das geplant gewesen wäre – ausgerechnet am 14. Dezember 1960, exakt fünf Jahre nach der Aufnahme in die UNO, nach einem mehrtägigen Flug in amerikanischen „Herkules“-Transportern in Goma im östlichen Kongo an. Von dort verlegte es über den Kivu-See nach Bukavu, wo es ein Spital für die „Blauhelme“ errichten sollte. Der Auftakt dieses Einsatzes war bekanntlich dramatisch: aufgeregte Kongolesen hielten die 45 Angehörigen des Teams, darunter eine Frau, als bewaffnete Weiße wegen ihrer Sprache und der Rangabzeichen prompt für Belgier und nahmen sie in der Nacht zum 16. Dezember gefangen. Sie verbrachten einige schreckliche Stunden im örtlichen Gefängnis. Nur die Anwesenheit nigerianischer UN-Soldaten retteten ihnen das Leben. Da Verhandlungen fruchtlos blieben, befreiten die nigerianischen Blauhelme die Österreicher am folgenden Tag mit Gewalt – bei diesem Gefecht kamen ein nigerianischer Unteroffizier und mehrere Kongolesen ums Leben; mehrere Nigerianer wurden – teils schwer – verwundet.

Es folgte eine inzwischen 60-jährige Erfolgsgeschichte: Über 90.000 Österreicherinnen und Österreicher, alle Freiwillige, nahmen seit 1960 an rund 100 Einsätzen im Dienste der UNO, der EU, der NATO und der OSZE teil und leisteten so einen Beitrag „im Dienste des Friedens“. Entgegen manchen Klischees, dass dies ohnedies nur ein gutbezahlter Urlaub wäre, sind diese Einsätze oft fordernd und gefährlich. Mehrere Österreicher erlitten physische und psychische Verwundungen. Immerhin 54 Teilnehmer an diesen Einsätzen – 52 Soldaten und zwei Polizisten – kehrten nicht mehr lebend in die Heimat zurück. Die Leistungen unserer Soldatinnen und Soldaten, Polizistinnen und Polizisten sowie zivilen Experten, fanden und finden allgemein Anerkennung.

Ebenfalls bewusst an einem 14. Dezember, vor 25 Jahren, entstand 1995 die „Vereinigung Österreichischer Peacekeeper“ (damals als „Vereinigung Österreichischer Blauhelme“), die heute fast 2000 Mitglieder in ganz Österreich umfasst. Eigentlich hätte dieser Jahrestag heuer Anlass einer größeren Feier sein sollen – aber diese fiel wie so Vieles der Corona-Pandemie zum Opfer. Wichtig aber sind nicht die Jubiläen, sondern die Fakten und Leistungen, die dahinter stehen. Und auf diese können wir alle durchaus stolz sein.

Hofrat Univ.-Doz. Dr. Erwin A. Schmidl ist Historiker. Er leitet das Institut für Strategie und Sicherheitspolitik an der Landesverteidigungsakademie und ist Chefredakteur der Zeitschrift „The Austrian Peacekeeper“.

 

Bericht: Erwin A. Schmidl
Fotos: Bundesheer, Schmidl

 

1 Kommentar

  1. Ulli Donner StWm a.D.

    1974/75+77:UNDOF/AUSBATT 🇦🇹🇺🇳🕊
    StKp/BaonsWaMstUO – StWm a.D. :
    Ich bin stolz ,”In the Service of Peace ”
    gedient zu haben !

Schreibe einen Kommentar zu Ulli Donner StWm a.D. Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

CAPTCHA-Bild

*

%d Bloggern gefällt das:

Ich stimme der Verwendung von Cookies zu. Auch wenn ich diese Website weiter nutze, gilt dies als Zustimmung. Weitere Informationen finde ich in der Datenschutzerklärung

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close