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Apr 29

Ein Steirer salutiert ab – Vizeleutnant Othmar Wohlkönig verabschiedet sich in den Ruhestand

Als „Stimme der Soldaten“ bezeichnete ihn jüngst die „Kleine Zeitung“: Vizeleutnant Othmar Wohlkönig, langjähriger Kommandounteroffizier im Kommando Streitkräfte in Graz und Präsident der steirischen Unteroffiziersgesellschaft, stellvertretender und seit 2019 Präsident der Österreichischen Unteroffiziersgesellschaft (ÖUOG), außerdem Vorstandsmitglied und Vizepräsident der VÖP, übergab im April 2021 den Vorsitz der ÖUOG und wird mit Jahresmitte, im Alter von 62 Jahren, in den Ruhestand treten.

Als Präsident der ÖUOG war er die Stimme von rund 30.000 Unteroffizieren des Aktiv-, Miliz- und Ruhestandes – und ließ es an klaren Worten nicht fehlen. So im Juni 2020, als er angesichts der Diskussionen um Reformpläne klar seiner Enttäuschung Ausdruck gab: „Wir alle erhofften uns von der Bundesministerin Tanner klare Aussagen zur Zukunft des Bundesheeres,“ diese aber habe die Chance, „auf verständliche Fragen eindeutige Antworten zu geben und vor allem eine klare Botschaft an die tausenden Soldatinnen und Soldaten zu senden“, vertan. „Hintangehalten und enttäuscht“ wurden die Soldaten „in der Vergangenheit schon genug,“ hieß es da.

Irene Valina, VÖP-Bereichsleiterin Wiener Neustadt, führte mit ihm das folgende Gespräch:

Herr Vizeleutnant, Sie haben vor kurzem das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich verliehen bekommen.

Die hohe Auszeichnung war für mich eine besondere Überraschung, zumal sie mir durch unsere Verteidigungsministerin Frau Mag. Klaudia Tanner persönlich verliehen wurde. Ich werde dieses Verdienstkreuz mit Stolz und Demut tragen, da ich mir bewusst bin, dass auch viele Wegbegleiter daran Anteil haben.

Sie sind auch als Vizepräsident in der Vereinigung Österreichischer Peacekeeper (VÖP) tätig.

Nachdem ich nahezu 30 Jahre ehrenamtlich aktiv bin, war es nicht mein Ziel, eine Funktion in der VÖP zu übernehmen. Mein ehemaliger Kommandant und derzeitige Präsident der Vereinigung Österreichischer Peacekeeper, General i. R. Mag. Günter Höfler, ist an mich herangetreten, ob ich mir eine Funktion in der Vereinigung vorstellen könnte. Es war mir sofort klar, dass ich an seiner Seite, unabhängig der Funktion, mitwirken werde. Im Mai 2019 wurde ich beim Bundetreffen der Vereinigung Österreichischer Peacekeeper in Wiener Neustadt zum Vizepräsidenten gewählt.

Hatten Sie schon vorher einen Bezug zur VÖP?

Lange Zeit nicht. Ich wurde erst sehr spät im Laufe meiner Auslandseinsätze einfaches Mitglied in der VÖP. Ich war und bin mir auch heute noch der Bedeutung unserer Vereinigung bewusst. Neben der Förderung und dem Erfahrungsaustausch auf nationaler und internationaler Ebene, sowie den Kontakten zu den staatlichen Stellen und Vereinen ist es vor allem die Aufrechterhaltung der Kameradschaft aller derzeitigen und ehemaligen Auslandseinsatz-Soldatinnen und -Soldaten, unabhängig von ihrer Barettfarbe.

In diesem Zusammenhang: Auf welche Auslandseinsatzerfahrung können Sie zurückgreifen?

Eigentlich hat meine Auslandseinsatzkarriere sehr spät begonnen, da mir primär meine Laufbahn als Kommandant eines Jagdpanzerzuges bei meinem Heimatverband, dem damaligen Jagdpanzerbataillon 4, wichtig war. Im Jahr 1994 kam es zu meinem ersten Auslandseinsatz beim AUCON/UNFICYP, als Kommandant der Kommandogruppe bei der 2. Jägerkompanie. Dort hat mich dann das berüchtigte „Virus“ erwischt – es folgten weitere Einsätze bei UNFICYP auf Zypern (1996/97, 2000/01 und als „last Mission“ 2014/15), bei SFOR in Bosnien-Herzegowina (1997/98) und beim AUSCON/UNDOF in Syrien (2003–05).

Was waren ihre persönlichen Erfahrungen bzw. Erkenntnisse von den Auslandseinsätzen?

Auch wenn sehr oft – meist von „Unwissenden“ – das Geldverdienen als Primärziel genannt wird, so muss betont werden, dass die Beteiligung am internationalen Krisenmanagement ein klarer Auftrag des Bundesheeres ist. Jede Soldatin und jeder Soldat, unabhängig von persönlichen Zielen, leisten hier einen großartigen Beitrag mit ihrem Einsatz, der für jeden Einzelnen ein besonderer Erfahrungsgewinn ist.

In allen meinen Einsätzen hatte ich das große Glück einer Kommandantenfunktion, sowohl im nationalen als auch im internationalen Umfeld. Das Führen eines Organisationselementes fernab der Heimat, bei sich ständig wechselnden Rahmenbedingungen, gepaart mit dem Verlassen der „Komfortzone“, haben mich nicht nur als Unteroffizier weiterentwickelt, sondern die Auslandseinsätze insgesamt formten mich als Soldat und Mensch.

Sie blicken auf eine nahezu 43-jährige Dienstzeit zurück, was waren Ihre wesentlichen Stationen?

Als ich am 1. Jänner 1979 beim damaligen Jagdpanzerbataillon 4 in Graz einrücken musste, war es mein Ziel, diese acht Monate einfach abzudienen, da ich damals kein Interesse hatte, eine Berufskarriere beim Bundesheer anzustreben. Aber es kam anders. Aus heutiger Sicht darf ich auf mehr als 42 erfüllte und abwechslungsreiche Dienstjahre zurückblicken.

Dies verdanke ich vor allem den Unteroffizieren, die aus einem desinteressierten „Wehrmann Wohlkönig“ einen motivierten, leistungswilligen Soldaten und künftigen Panzerkommandanten sowie späteren Zugskommandanten formten.

Aufgrund meiner sportlichen Ambitionen wechselte ich als Hilfsreferent für Körper- und Alpinausbildung zum Militärkommando Steiermark, wo ich u.a. auch Sachbearbeiter Ausbildung war. Mit der Aufstellung des Kommandos Internationale Einsätze (KdolE) in Graz 2002 wechselte ich als Sachbearbeiter Evaluierung in dieses operativ führende Kommando.

Nach meiner Rückkehr aus dem Auslandseinsatz in Syrien (UNDOF) hatte ich 2005 die einmalige Chance, Kommandounteroffizier im KdolE zu werden. Mit der Aufstellung des Streitkräfteführungskommandos (SKFüKdo) – dieses vereinigte bekanntlich die bisherigen Kommanden Landstreitkräfte, Luftstreitkräfte, Spezialeinsatzkräfte und Internationale Einsätze – wurde ich im Jahr 2006 Kommandounteroffizier der Streitkräfte. Eine national und international herausfordernde Funktion, die ich bis zu meiner Versetzung in den Ruhestand mit großem Engagement und mit Stolz erfüllen durfte.

Herr Vizeleutnant, wie kam es dazu, dass Sie Präsident der Österreichischen Unteroffiziersgesellschaft (ÖUOG) wurden?

Schon als junger Wachtmeister war ich mir über die Bedeutung des Korpsgeistes der Unteroffiziere und der wehrpolitischen Tragweite der ÖUOG im Klaren. Für mich stellte sich nicht die Frage, was mir eine Mitgliedschaft bei der Österreichischen Unteroffiziersgesellschaft bringt, sondern vielmehr, was ich als Unteroffizier einbringen kann.

Von 1993 bis 2006 arbeitete ich in verschiedenen Funktionen im Vorstand der Unteroffiziersgesellschaft Steiermark. Dass ich von 2006 bis 2018 die Präsidentschaft dieser Interessensgemeinschaft führen durfte, basierte auf das Vertrauen der Mitglieder und des Vorstandes. Eigentlich wollte ich mich 2018 aus allen Funktionen zurückziehen, doch der amtierende Präsident der ÖUOG musste krankheitsbedingt seine Funktion zurücklegen. Daraufhin wurde ich gefragt, ob ich die Präsidentschaft übernehmen möchte. Das war für mich nicht nur eine Ehre, sondern auch eine Verpflichtung gegenüber dem Unteroffizierskorps.

Nach so intensiven Dienstjahren und Ihrem ehrenamtlichen Engagement – besteht da nicht die Gefahr eines „Pensionsschocks“?

Erstens kann ich zufrieden auf eine erfüllte und abwechslungsreiche Dienstzeit zurückblicken und gehe gut vorbereitet und ohne Angst etwas versäumt zu haben in den Ruhestand.

Zweitens möchte ich meiner Frau, die ich seit 1978 kenne und die meine gesamte Dienstzeit und meine Ehrenämter stets mitgetragen hat, etwas zurückgeben. Nämlich eine Zeit, die wir nun gemeinsam unter Ausnützung unseres Wohnmobils möchten.

Für dieses umfassende Interview bedanke ich mich recht herzlichst und wünsche weiterhin viel Glück, Gesundheit, Freude und Spaß beim Reisen. „Gute Fahrt“!

 

Fotos: Bundesheer, Gunter Pusch, Manuela Wohlkönig,

 

 

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